Fortsetzung Jürgen Schrudde berichtet: |
| Aus meiner Marinezeit Teil 2 |
Hallo Helmut, schön, daß Dir der Bericht gefallen hat. Das animiert mich noch mehr zu schreiben, aus einer Zeit, wo man sich meistens nur an die Brüller und die lustigen Sachen erinnert und die Realität dann gerne verdrängt, oder sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Ich habe auf Deine re-mail gewartet und war sehr auf Deine Reaktion gespannt. Zwischendurch kamen in mir immer wieder Gedanken hoch, wie es damals war.Gesichter tauchen auf an die ich mich meistens nur noch an Spitz- oder Vornamen erinnern kann und stell wieder mal mit Erschrecken fest, daß das menschliche Gehirn Erlebnisse und die Bewertung von Menschen in Schwarz-Weiß-Schubladen presst. Bei der Erinnerung an Besatzungsmitglieder fallen mir nicht mehr viele ein. Da war der Heizerdecksälteste Olaf (Altgefahren, letztes Quartal vor Augen wie auch die anderen drei Heizer), der immer Angst bekam wenn es zur See ging, weil er die ersten 2 Tage kotzen mußte bis ihm wieder Seebeine gewachsen waren -- oder Singer ein Z 4er (kam irgendwo aus dem Schwabenland und war vorher Schreibmaschinenreperateur bei Olympia. Nun durfte er an die An Di mots ran) der jeden Tag auf seine Versetzung auf die Maatenschule wartete und doch bis zum bitteren Ende bleiben mußte. Oder mein Schiffstechnischer Offz. der Maschinenbau studieren wollte und erkannte daß, das doch nicht so sein Ding war (Leutnant Frey sollte für mich persönlich noch eine ganz wichtige Rolle spielen aber dazu später). Der Kommandant, ich glaube er hieß Kramer den ich selten zu Gesicht bekam. Oder der Sperrmeister, der auf´m Achterdeck Matrosen außem Bergbau bevorzugte , weil die einen 10er Schäkel von nem´20er unterscheiden konnten (Ganz im Gegensatz zu seinem Sperrwaffen-Maaten, den er dafür immer lang gemacht hat.) An meinen E-Maaten kann Ich mich kaum noch erinnern, hängengeblieben ist mir nur, daß er immer Dienst nach Vorschrift machte. ( PME nach Plan ob Sinnvoll oder nicht.) Dann gibt es einige Gesichter, bei denen im Rückblick gar nicht mehr sagen kann, ob die mit mir auf Fische, Minden oder Thüringen gefahren sind, und was deren Job eigentlich war. Naja, aber je länger Ich drüber nachdenke desto mehr kommt zurück:lso, das mit den Versetzungsgesuchen war offensichtlich ein Schlag ins Wasser und Harms und ich richteten uns auf eine lange Leidenszeit ein. Was zu diesem Zeitpunkt positiv war, war die äußere Erscheinung von unserem SM-Boot. Ich hatte außer einigen Binnenschiffen die bei uns auf´m Kanal fahren vorher nie ein richtiges Schiff gesehen. M1096 sah von außen alles andere aus ala ein Holzschiff das kurz vor dem Exodus stand. Nachdem uns die Heizer im Heizerdeck recht herzlich willkomen hatten, wurden wir mit den Ritualien im Deck vertraut gemacht. Ein Franke an dessen Name Ich mich nicht mehr erinnern kann, erklärte uns, daß die W 15er im letzten Quartal von bestimmten Frondiensten ausgenommen werden. Er meinte sich und die drei Heizer. Traditionell - so versicherte er weiter - würden Altgefahrene nur noch eingeschränkt Fahrwache gehen, die Pantry nicht mehr betreten, bei der Reinigung der 2 Zylinder (Heizersprache Ausdruck für die beiden Toiletten an Bord) in hinterster Reihe stehen, und bei den Wochendwachen müßten sich die Altgefahrenen schon mal wieder auf das Zivilleben einrichten. Was Ich hier recht locker beschreibe ähneld er einem Witz. Aber der Franke meinte es ernst, und zwei weitere Heizerkollegen sahen das genauso, mit der Begründung: Als sie Heißdüsen waren, war das genauso. (Man darf an dieser Stelle eins nicht außer Acht lassen, im technischen Abschnitt gab es zwei Gruppierungen: die Maschinenheizer und die E-Mixer. Also kürzen wir das mal ab, Schlosser und Elektriker, auf´m Pütt zwei Spezien,die jeden Tag miteinander kumpeln müssen, aber im Grunde sich immer skeptisch gegenüberstehen (hat Tradition) laf, dem Decksältesten, fiel dann als erstem von den Ölaugen auf, daß sie ja im letzten Quartal zu viert waren und Harms und ich nur zu zweit. Olaf brach mit alten Traditionen, hatte Mitleid mit uns und sagte: " Wir machen folgendes, Wochenendwachen gehen Reihe um. Fahrwache, bis auf die letzte Heimfahrt werden auch normal gegangen und der Rest bleibt wie gehabt." Alle akzeptierten, die altgefahrenen weil sie den 2-Zylinder nicht mehr wienern mußten und wir, weil wir zu diesem Zeitpunkt gar nicht wußten was der 2-Zylinder ist. Danach wurden wir dem Kommandanten vorgestellt oder es kann auch vor der Heizerdeckgespräch gewesen sein, Ich weiß es nicht mehr genau.Auf jeden Fall stellte er uns den Ablaufplan der nächsten Monate vor, und zu meinem Erstaunen und zum Gegensatz was ich vorher gehört hatte, kamen da auch Seefahrten auf uns zu. Ganze 2 Manöver noch im laufendem Quartal . (Jan-März) im nächsten Quartal dann noch ein paar Besucherfahrten. (April-Juni). In unseren 3. Quartal dann die Außerdienststellung (Juli-Sept) letztes Quartal, sollten wir dann als Urinkellner in die Krankenstation an Land.( Ob der vorher mit dem Decksältesten gesprochen hatte? (2-Zylinder-Eerfahrung und so) Der Zustand des Bootes war im Verhältniss zu den noch anderen 5 Booten im Geschwader gut, sagte zumindestens der Mot-Meister (bei Fische liefen noch beide An Di Mots einwandfrei) Es gab Gerüchte, die besagten, es wäre nicht auf allen Booten so. Der Zustand der elektrischen Anlage an Bord war eher bescheiden. Es gab immer wieder irgendwelche kleineren, mit Bordmittel zu behebenden Probleme.der E-Maat meinte mal, daß dies daran liegen würde, daß die letzten Werftliegezeiten nichts mehr gemacht worden wären, weil Fische bald außer Ddienst gestellt würde. Ich bin, nachdem ich auf anderen Booten noch gefahren bin, zu der Erkenntniss gekommen das der penible Einhalt der PME-Vorschriften auf Fische gerade beim Inspizieren und Warten von elektrischen Betriebsmitteln mehr schaden enstand, als deren Erhaltung. Mein Oberbootsmann Ehlers E-Meister auf Minden, ein Mensch, mit hervorragendem Fachwissen und Mitarbeiterführungsqualitäten hat mir mal gesagt "Matrose Sie können 8 Stunden Bordlautsprecher warten oder 8 Stunden die Generatoren. Geht ein Lautsprecher kaputt hör ich nichts mehr, geht ein Generator hoch hör ich auch nichts mehr, nur mit dem Unterschied, ich seh auch nichts mehr und das Boot ist nicht mehr manöverierfähig. also setzen sie Prioritäten! Lautsprecher werden dann gewartet, wenn sie nicht mehr funktionieren, Generatoren immer. Er meinte damit Scheiß was auf die PME. . . . bis zum nächsten Artikel wenn Ihr Lust habt. Glück Auf Yogi (Fortsetzung folgt) |